Stimmung schwankte

Beim Block
versuchen sich hier Richard Henze (13) und Daniel Spangenberg (5) aus Weimarer Sicht. Gegen Gera gab man einen 2:0-Satzvorsprung noch aus der Hand. Zumindest gewann man das Folgespiel. Foto: Uwe Schmidt

Weimar. (tlz) Es war wieder einmal alles dabei während des Heimspieltags der HSV-Volleyballer in der Asbachhalle. Die Stimmung schwankte in beiden Partien, gegen Hermes Gera und den Schmalkalder Volleyballverein, hin und her, des Trainers Nerven wurden gehörig von seinen Akteuren strapaziert, ehe Jörg Bialas mit einem versöhnlichen Abschluss die Halle wieder verlassen konnte. Positive Randnotiz war der Einsatz eines Altbekannten.

Doch zunächst musste Bialas den Ausfall von Zuspieler Jona Krieg verkraften. Robert Frohwein übernahm diese Position und setzte seine Angreifer fast immer gut ein. Die erste Begegnung bestritt Weimar gegen den Hermes-Sechser. Es ging richtig gut los für den HSV. Von Anbeginn wurde hoher Druck ausgeübt, so dass Gera überhaupt nicht zu seinem Spiel fand. Viele Annahmeprobleme schlichen sich bei den Gästen ein, die den Hausherren mächtig in die Karten spielten. Somit betrug der Vorsprung teilweise neun Punkte (15:6). Der HSV ließ seine Gegenüber höchstens auf sechs Zähler herankommen und Richard Henze legte das Spielgerät gefühlvoll zum 25:18 hinter den Gera-Block.

Satz zwei sollte ähnlich verlaufen. Weimar machte Druck, Hermes die Fehler. Schnell zog man davon: Benjamin Kratz mit dem Longline-Kracher zum zwischenzeitlichen 7:2. Nach einem leichten Hänger fingen sich die Weimarer beim 15:12 wieder und die Fans waren mit dem bisherigen Auftreten ihrer Schützlinge vollends zufrieden. Die Trommeln schepperten nur so von den Rängen. Und als das "Uh, ah, Krisensitzung" immer wieder zu hören war, wusste jeder: Der Hermes-Trainer verzweifelte so langsam an der Seitenlinie, denn er hatte bis dahin in jedem Satz von seinem Auszeit-Kontingent Gebrauch gemacht. Seine Worte sollten auch im zweiten Abschnitt nicht fruchten: Felix Lange blockte erfolgreich zum 25:22.

Die Zeichen standen auf Sieg, doch die HSV-Cracks wogen sich auf einmal zu sehr in Sicherheit. Kaum ließ der eigene Druck im Spiel etwas nach, bäumte sich Gera explosionsartig auf. Nichts mehr war von leichten Annahmefehlern oder Angriffen, die weit ins Aus gingen, zu sehen. Die Partie war ausgeglichen - auf hohem Niveau. Nach dem 13:13 geriet Weimar in die erste längere Schwächephase und handelte sich einen immer größer werdenden Rückstand ein. Beim 18:24 wurde der erste Satzball der Gäste noch abgewehrt, doch der nächste saß: 19:25.

Auch zu Beginn des vierten Durchgangs fanden die Weimarer den roten Faden nicht. Gera hingegen agierte wie ausgewechselt. Symptomatisch für das HSV-Nervenkostüm war die Aktion von Kratz beim Stand von 6:8: Er stand zum Aufschlag bereit, der Schiri pfiff und Kratz fiel der Ball aus der Hand. Um die acht Sekunden nicht verstreichen zu lassen schnappte er sich flugs die Kugel und schlug sie als "Danke-Ball" in die gegnerische Hälfte. In der Folge kamen die eigenen Angriffe überhaupt nicht mehr ins Ziel. Bialas nahm die notwendige Auszeit (7:14). Die Fans hofften nach drei Punkten in Serie auf die Aufholjagd, die letztlich ausblieb. Auch diesen Abschnitt gab man ab: 18:25.

Schon wieder musste der Tie-Break die Entscheidung bringen und damit haben die Gastgeber sehr schlechte Erfahrungen in dieser Saison gemacht. Vier von fünf gingen schon verloren. Aber es entscheidet immer die Tagesform. Nach dem guten Start (3:1) glich Hermes zum 4:4 aus. Danach war es eine enge Kiste: 12:12, 13:13. Nach einem erfolgreichen Block (Lange/Kratz) die Chance zum Matchgewinn (14:13). Doch Gera blieb cool (14:14). Durch einen Fehler der Gäste die erneute Möglichkeit zum Sieg (15:14), doch Kratz zieht seinen Aufschlag ins Aus: Ärgerlich! Dies nutzte Gera dann mit zwei Punkten eiskalt und tanzte munter nach dem 15:17 aus HSV-Sicht. Alle Weimar-Anhänger waren fassungslos.

Doch es musste weiter gehen. Nach einer Verschnaufpause baute Bialas seine Truppe wieder auf. Zumindest gegen Schmalkalden wollte man den Erfolg. Und das merkte man den Akteuren an. Mit aller Konzentration und Energie gingen die Gastgeber ihre Aufgabe an. Als Dominik Mehmel den Ball mit der Handfläche vom Boden kratzte und Henze das Ding zum 14:7 im ersten Satz veredelte, waren die Weimarer schon wie im Rausch. Ab dem 11:7 machten sie alle folgenden Punkte: 25:7. Schmalkalden fand nicht statt.

Auch Satz zwei wurde vom HSV dominiert. 25:20 hieß es am Ende und wieder stand man kurz vor dem Sieg. Als die Schmalkalder im dritten Abschnitt nach dem 5:5 drei Zähler infolge machten, schwante Bialas und den Fans Böses. Nach einem teilweise fünf Punkte großen Vorsprung zogen sich die Goethestädter aber eigens wieder aus dem Sumpf. Daniel Spangenberg wurde eingewechselt und legte eine gute Aufschlagserie hin: 15:15. Nach Langes gutem Auge, als er den Ball ins hintere Eck pritschte (17:16), nahm der HSV wieder Fahrt auf und distanzierte seinen Gegner letztlich mit 25:19. Das 3:0 war ein versöhnliches Ende für alle Beteiligten.

In den HSV-Reihen spielte auch Uwe Steinberg wieder mit. Schon zu Regionalliga-Zeiten lief er für Weimar auf, musste aber aufgrund von einigen Knie-Operationen auf Volleyball verzichten. Seit kurzem trainiert er wieder unter Bialas und verlieh dem Team im Angriff viel Stabilität. "Ich hätte mir so ein Ergebnis auch gegen Gera gewünscht. Das war allemal drin", sagte der Trainer nach dem Sieg über Schmalkalden.